Anna Mahendra

Ein Glühbirnenstrauch ziehen

Aus einer alten Werkbank wächst ein Baum aus Rohren und Strom­ka­beln, an seinen Zweigen bilden zahlreiche unterschiedliche Glühbirnen die Früchte, die interaktiv auf die Positionen und Bewegungen der Besucher reagieren. Wie Wurzelwerk laufen die Stromkabel knotig und verdreht weiter über den Fußboden und enden unverhohlen in den in Verteilersteckdosen. Ähnlich pro­fan brechen die in der Werkbank gestapelten leeren Kartonverpackungen den surrealen und märchenhaften Eindruck, den der Glühbirnen­baum evoziert. Der Raum ist nur spärlich be­leuchtet vom wechselnden Licht der Glühbirnen welche die an den Wänden hängenden unge­rahmten Fotografien beleuchten. Darauf zu sehen sind Unterwasser­auf­nah­men eines nackten, androgynen Menschen.

Der Titel Meerjungfrau weckt auch hier Asso­ziationen zu einer Welt des Unsichtbaren, verstärkt noch durch die in die fotografische Oberfläche von Hand gekratzten Fabelwesen. Gleichzeitig bricht dieser brutale Eingriff die verträumte Atmosphäre und wirft die Besucher zurück in die materielle Realität des Raumes. In diesem Öffnen eines ›Dazwischen‹ von nüch­ter­ner Alltagswelt und kindlich-zauberhafter Magie liegt das Spannungsfeld von Anna Mahendras Arbeit. [WE]bulb_tree_-_floral_connection02